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Selbst ständig etwas unternehmen

Zwei Brüder haben in Sassnitz ihre Zukunft erfolgreich in die eigenen Hände genommen

Marcel und René Kiesow stehen vor dem Eingang zu ihrem Kontor und schauen hinüber zu dem nur einen Steinwurf entfernten Hafen von Sassnitz. Die beiden Brüder strahlen norddeutsche Ruhe und Gelassenheit aus. Aus gutem Grund. Seit der Übernahme der Schiffsausrüster GmbH Sassnitz haben sie die dritte Saison in Folge mit schwarzen Zahlen abschließen können. Dass die Marina vor ihren Augen jetzt ziemlich verwaist da liegt, macht den den Beiden kein Kopfzerbrechen. Die Skipper haben ihre Boote längst im Winterlager untergebracht. Sie werden wieder kommen, sind sich Marcel und René gewiss. Hoffentlich im nächsten Jahr noch mehr, als es in diesem Jahr der Fall war. „Es muss sich in der Szene erst rumsprechen, dass Sassnitz längst nicht mehr ein Nothafen ist, wie es immer noch in alten Seekarten steht“, sagt René Kiesow. Um die 100 Boote können hier festmachen. Tun sie dies, ist das auch ein gutes Geschäft für die Kiesows. An die 5000 Artikel halten die Schiffsausrüster am Lager. „Irgend etwas braucht ein Skipper immer“, sagt René Kiesow. „Und wenn sein erster Blick vom Boot auf unser Kontor fällt, dann haben wir ihn auch schon am Haken.“

koe-schiffsausruester-02Längst vom Haken indes sind diejenigen, die dem Unternehmen dazumal gut ein Drittel des jährlichen Umsatzes bescherten: die Berufsfischer. Diese traditionsreiche Gilde befindet sich – nicht nur in Sassnitz – im stetigen Niedergang. Was nicht nur eine gefühlte Wahrnehmung der beiden Kiesows ist. Im Landesverband der Kutter- und Küstenfischer kennt man die harten Fakten, die den Niedergang auslösten, die ihn heute immer noch begleiten. Hohe Dieselpreise, EU-reglementierte Fangquoten, verschlechterte Fänge und Erlöse –all das trage dazu bei, dass mit dem einst ehrenwerten Küstenberuf heute kein Staat mehr zu machen sei. Ging der Kutter früher vom Vater auf den Sohn über, verliert der Beruf heute  weiter an Attraktivität, Nachwuchs ist kaum in Sicht. „Würden wir vor dieser Entwicklung die Augen zumachen, könnten wir das auch gleich mit unserem Geschäft tun“, meint René Kiesow. Nur genau das haben er und sein Bruder nicht vor. Vieles habe man seit dem „Sprung ins kalte Wasser“ vor drei Jahren lernen müssen. Vor allem aber dies: Wer sich als Unternehmer selbstständig auf dem Markt bewegt, muss selbst ständig etwas unternehmen – am besten das Richtige und das denn auch mit den richtigen Beratern.

Dabei hatten René und Marcel Kiesow eigentlich gar nicht das werden wollen, was sie heute sind. René – der ältere Bruder – kann auf eine erfolgreiche Banklehre verweisen, war dort denn auch mit der Kreditvergabe befasst und wollte später in die Hotellerie wechseln. Dem Beispiel seiner Eltern folgend, die seit 1994 in der Gastronomie selbstständig unterwegs waren. Die Pläne waren geschmiedet, die Verträge geschrieben, eine Bankzusage lag auf dem Tisch. Aber letztlich sprang der Vertragspartner im dritten Anlauf doch noch ab und René musste anderweitig Lohn und Brot suchen. Ohne das Ziel „Selbstständigkeit“ aus den Augen zu verlieren.

Sein jüngerer Bruder Marcel kommt eigentlich aus der Branche des heutigen Unternehmens. Gelernter Schiffbauer, danach Job im Hafen und schließlich unentbehrlicher Helfer der Eltern in deren Gastwirtschaft ­– Marcel hat einiges hinter sich. Heute sagt er: „Ich bin angekommen.“

koe-schiffsausruester-065731f075b0080Was auch daran liegen mag, dass in Sassnitz jeder jeden kennt. Der Vater kannte die Eigentümer der Schiffsausrüster GmbH und erfuhr rechtzeitig von deren Überlegungen, das Unternehmen abgeben zu wollen. So erfuhren seine Jungs davon und der Deal ging über die Bühne. „Schon an dieser Stelle wären wir wohl hilflos untergegangen, hätten wir  auf kompetente Beratung verzichtet“, erinnert sich René Kiesow. Und weil die beim Kaufvertrag hilfreich und kompetent mit am Tisch gesessen habe, sei sie an diesem Tisch auch heute noch willkommen. Und er legt Wert darauf, die drei Buchstaben diese Berater mit Namen zu erwähnen: ETL. Schaut man hinter die drei Buchstaben, landet man zunächst im Neudeutschen: European Tax & Law. Schaut man weiter, erfährt man, dass es sich hier um eines der führenden  Beraternetzwerke in Deutschland handelt, das kleine und mittlere Unternehmen betreut. Nicht punktuell, sondern mit einem Rundum-Programm in den Bereichen Steuer- und Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung sowie Unternehmensberatung und Finanzen. „Für uns ein Glücksfall“, resümiert René Kiesow. „Die kannten uns vom ersten Tag an und wir vertrauten ihnen – auch vom ersten Tag an.“

Heute sind die beiden Sassnitzer auch ein Vorzeigeobjekt von ETL. Weil sie Abrechnungen, Rechnungen, Forderungen und andere Unternehmensdaten nicht mehr per Post austauschen. Man trifft sich in den Wolken, kommuniziert, analysiert und inspiriert per Cloud Computing. „Bei unserem breit gefächertem Sortiment kommen an die 2000 Rechnungen rein, eben so viele gehen raus“, sagt „Zahlenmensch“ René Kiesow. Wollte man dies alles allein bewältigen, hätte man  keine Zeit mehr, um die 5000 Artikel unter die Leute zu bringen. „Wer denkt, dass er alles allein hinkriegt, ist falsch gewickelt.“

Die Saison ist durch. Marcel und René Kiesow sind mit ihr nicht unzufrieden. Macht doch den Laden zu und wartet, bis die ersten Skipper wieder festmachen. „Träum´ weiter“, sagt der ältere Kiesow. „Im Winter wird geplant, was im Sommer verdient werden soll.“ Die Liste ist lang. An der Warenpräsentation wollen die Jungs arbeiten. Vieles was sie im Angebot hätten, was auch gefragt sei, käme noch nicht so rüber, wie es wohl erforderlich sei. Sie wollen ihren Laden „aufmöbeln“, ihren Online-Shop ausweiten und sich handwerklich weiterbilden. Und mal wieder Rad fahren (Marcel) oder einfach nur laufen (René). Und auch die vierte Saison mit schwarzen Zahlen abschließen. Das Zeug dazu scheinen die Brüder zu haben - auch die Berater.

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